Schlei und Flensburger Förde

Mit dem Jollenkreuzer "Fink" im Schlepp brachen wir zu dritt am 20.08.10 in Arendsee/Leppin zu einem kurzen Urlaubstörn auf. Mit an Bord wie auch 2006 beim Befahren des Götakanals mein Sohn Andreas und Ulrich Seedorff, dessen seglerische Erfahrung dann später insbesondere auf Ostsee und Flensburger Außenförde gefragt war.

 

In zügiger Fahrt - das Gespann ist für 100 km/h zugelassen - erreichten wir nach drei Stunden Schleswig. Im Hafen des Schleswiger Seglervereins verlief das Kranen problemlos und für Auto und Trailer fand sich in unmittelbarer Nähe auch ein Platz.

Am nächsten Morgen ging es ausschließlich unter Segeln die Schlei hinunter Richtung Ostsee. Zu beachten sind die zahlreichen Untiefen und auch der Steuermann eines Jollenkreuzers sollte sich nicht zu weit von der gut betonnten Fahrrinne entfernen.

  

In Anbetracht der sich stetig verschlechternden Wetterprognosen ließen wir die geplanten Zwischenstops in den Häfen der reizvollen Orte an den Schleiufern aus und legten in Kappeln an der sehr gepflegten Hafenanlage des Arnisser Segelclubs unmittelbar an der Schleipromenade an. Am nächsten Morgen warteten wir die Öffnung der Klappbrücke ab und segelten ungeachtet des einsetzenden Starkregens weiter nach Osten. Nachdem wir Schleimünde passiert und die offene Ostsee erreicht hatten führte unser Kurs nach Norden.

 

Zwar öffnete der Himmel in kurzen Abständen immer wieder alle Schleusen, Wind und Wellen waren aber Schiff und Mannschaft gut gewachsen. Auf Höhe des Leuchtturmes Kalkgrund änderten wir den Kurs auf NNW, um unser Tagesziel, das dänische Sonderborg, anzusteuern. Die sehr ruppige Welle auf der Flensburger Außenförde gestaltete diesen Abschnitt zum anstrengendsten der Reise. Navigation ist wenn man trotzdem ankommt und so tauchte schließlich der dem Ort vorgelagerte Yachthafen aus dem Dunst auf, dessen Schutz wir gern in Anspruch nahmen. Wir zogen ihn dem romantischen Südhafen vor, weil man dort an der Promenade mit Fahrzeugverkehr doch recht unruhig liegt. Auch kann man vom Yachthafen zu Fuß über einen sehr schönen Wanderweg entlang dem Als Sund das berühmte Sonderborger Schloß und das malerische Stadtzentrum erreichen.

"Wir hatten die letzten Tage immer früh Flaute und mittags Starkwind - ihr müsst früh aufstehen, wenn ihr mit eurem kleinen Boot hier wieder weg wollt!" riet uns der dänische Hafenmeister. Am nächsten Morgen brachte uns dann schon nach einer kurzen Strecke unter Motor ein guter Segelwind voran. Da es zunächst von oben trocken blieb begann ein schöner Segeltag. Westlich der Geltinger Bucht endet die Außenförde, die wir als echtes Seerevier erlebt hatten. Wenn auch das "Tor" zur Innenförde immerhin noch 7 sm breit ist fühlt man sich hier als gelernter Binnensegler doch etwas mehr zu hause. Auf der Steuerbordseite passiert man als Landmarke auf dem Weg nach Flensburg die Ochseninseln, auf der Backbordseite die Marineschule Mürwik, einen auch vom Wasser her sehr beeindruckenden Gebäudekomplex. Hier wurde am 23.Mai 1945 die letzte deutsche Reichsregierung unter Großadmiral Dönitz von den Briten verhaftet. Der Heimatliegeplatz der Gorch Fock war während unseres Törns leider gerade leer. 

 

    Während wir im Flensburger Gästehafen festmachten war der Himmel schon wieder nicht mehr ganz dicht. Die im Seewetterbericht angekündigte Windstärke 9 entwickelte sich tatsächlich und verlagerte unsere Aktivitäten mehr an Land - kein so großes Opfer bei einer schönen Stadt wie Flensburg. Nach zwei Tagen Geduld mit dem lieben Rasmus nutzten wir ein kurzzeitiges Abflauen des Windes, kranten im Hafen Sonwik und traten die Heimreise an.

Erfahrungen: Schlei und Flensburger Innenförde sind für einen Jollenkreuzer empfehlenswerte Reviere, schöne Landschaften und Orte, freundliche und hilfsbereite Menschen, gut ausgebaute Häfen. Ostsee und Außenförde als Seereviere verlangen insbesondere für ein kenterbares Boot bei schwierigen Wetterlagen einen erfahrenen Steuermann. Auf einen mehrfachen Wetterumschwung auch im Laufe eines Tages sollte man sich einstellen wie auch auf allein von Windrichtung und -stärke abhängige Pegelschwankungen bis zu einem Meter.

Empfehlung: Sportbootkarten Schlei und Flensburger Förde Delius Klasing, Törnführer Ostseeküste

Jan Werner

Klaus Finke