Ich liebe Holz, es sieht schön aus und schwimmt 

- so dachte ich schon als Junge

Bilder: Redaktionsteam

 

 

Mein Onkel schnitzte mir anlässlich eines Spazierganges rund um den Berliner Schlachtensee aus dicker Kiefernborke einen Schiffskörper, steckte zwei am U fer aufgelesene Schwanenfedern hinein und fertig war mein kleiner Zweimaster. Dass er ihn zusätzlich mit einer alten Patronenhülse bestückte, in die er seinen qualmende n Zigarrenstummel steckte, machte die Sache noch spannender und gab ihr den gehörigen Pfiff, einfach knorke , heute nennt man das wohl eher cool. So zu Beginn der unseligen Kriegsjahre muss das damals gewesen sein. Jahrzehnte später, etwa Ende der 1960er, landete ich beruflich im damals geteilten Berlin und wieder führten mich Spazierwege ans Wasser, diesmal an den hinter dem Schlachtensee gelegenen Großen Wannsee. Also, ein Segelboot, natürlich ein Holzboot, dachte ich – vielleicht etwas größer als Pirat oder O – Jolle wegen der Familienmannschaft....Ich fand eine schöne alte Wander– Jolle, H 345, gebaut 1948 bei Bollfraß in Spandau : Gabun - , mit Holzmast, Fockbaum, Großbaum etc. Baum wies früher eben auch auf den Baustoff Holz hin. Wie alle Holzklassiker damals war und wurde auch von uns das Boot mit regelmäßiger Lackpflege instand gehalten. Nach  Jahren verließ ich Berlin, H 345 ging verloren. Und weitere Jahre später landete ich im Landkreis Lüchow – Dannenberg. Die Wende kam, der Arendsee wurde erreichbar und ich fand mit dem in Bremen 2004 erstandenen Oldtimer, H 507 ( Werft Fricke, Lehmbruch, Baujahr 1962) Aufnahme im hiesigen Segler-Club. Wieder ein Holzboot mit Holzmast und Vorstagbaum etc, aber diesmal Mahagoni. Das Deck wegen Ausbesserungen vom Vorbesitzer mit einem Polyurethan-Lack gestrichen und alles übrige Holz, Bootskörper, Mast etc. außen, innen, oben, unten mit Owatrol geölt, - Antifouling natürlich ausgenommen.

 

Und damit bin ich nun beim Thema: Lackieren und / oder Ölen. Von Haus aus schätze ich das genaue, sichere, wissenschaftlich fundierte Handeln. Doch davon kannst du dich ab sofort getrost verabschieden. Wissenschaft ist nicht, Erfahrung ist angesagt, Rat und Meinung. Und man ahnt – viel Rat viele Meinungen. Der alte Bollfraß hatte in klassischer Weise mit Bootslack gearbeitet, die Außenhaut in vielen Anstrichen aufgebaut, der Innenbereich mit dünnerer Lackschicht. Beim Renovieren hieß das schaben, spachteln, schmirgeln und dann blasenfrei lackieren, lackieren, lackieren, Schicht für Schicht. Danach h war jedoch für mehrere Jahre Ruhe. Und dennoch, der Zahn der Zeit hinterlässt Spuren – Wasser, Luftfeuchtigkeit, UV-Strahlung sind auf Dauer keine Holzfreunde, ebenso wenig wie der jahrzehntelange saisonale Wechsel von Wasserstand und winterlichem Trockenlager. Quellen des Holzes und Schrumpfen geschehen in Abhängigkeit von direkter Wasseraufnahme und der Luftfeuchtigkeit: gemessen wird dieser Vorgang als Schwindmaß, für je de Holzart etwas unterschiedlich. Quellen kann Holz einer Bohle in die Höhe (tangential), in der Längsrichtung (bedeutungslos) und in die Breite (radial). Für Mahagoni beispielsweise liegt dieses radiale Schwindmaß, also von Planke zu Nachbarplanke bei etwa 3 bis 5% und kann bei starkem Quellen theoretisch Verbindungen des Bootskörpers beschädigen. Bei langer Trockenlagerung siehst Du andererseits das Sonnenlicht durch die Ritzen scheinen. Eine erwünschte Holzfeuchte liegt zwischen 15 bis 20%, über 30% hinaus quillt Holz nicht mehr. Ab etwa 18% Feuchtigkeit kann Pilzwachstum einsetzen – theoretisch. Aber tröste dich – Holzboote und ihre Besitzer sind nie ganz dicht. Also, was tun, damit der Kahn im Frühjahr nicht vollends absäuft – oder zumindest nur ein bisschen und nur für überschaubare wenige Tage? Ausleisten, wenn die Plankennähte gar zu weit werden? Beschichtung von außen oder innen oder beides? Da fällt in der Diskussion dann schnell das Wort vom Leichentuch. Und weiter natürlich die Frage nach der optimalen Pflege für den Bilgenbereich, wo sich das Leckwasser um den Schwertkasten und unter den Bodenbrettern sammelt und gammelt? Ölen oder lackieren? „Hüte Dein Boot vor dem Austrocknen; schmeiß den Kahn ins Wasser und lass ihn dicht quellen; achte darauf, dass kein Sand, Dreck o.ä. sich in die Ritzen setzt und einen Fugenschluss verhindert; hänge ihn im Frühjahr in die Schlinge ( wie bei uns am Arendsee möglich); fuge ihn aus – oder nicht, und wenn ja..... womit; tränkedas Innenschiff mit Öl - oder öle alles Holz; nimm Leinöl – vielleicht sogar gekochtes; nimm Leinölfirnis – also das Öl plus zugesetzte Schwermetallseifen Mangan, Kobalt; benutze Owatrol – Öl (Voss-Chemie) bzw. Deks Olje, oder vielleicht LeTonkinois. Da hast du sie, die Ratschläge in Menge und die Qual der Wahl. Und dazu dann die Klassiker und ihr Votum zum bewährten Bootslack. Apropos Öle – auf mögliche Unterschiede z.B. Leinölfirnis kontra Owatrol hinsichtlich Atmungsaktivität, Trockendauer, Beeinflussung des Quellens etc. sei hier nicht eingegangen. Das ginge wohl noch mehr in den Glaubensbereich hinein. Ich bin kein Fachmann, kein Bootsbauer und ich weiß, dass irgendwann jedes Ding sein natürliches Ende hat – also auch mein Holzboot. Deshalb habe ich für mein jetziges Boot in aller Bescheidenheit, wie ein alter Jollensegler es eben tut, folgendes beschlossen: alle Jahre wieder Deckfarbe wie vom Vorbesitzer begonnen und Antifouling – natürlich. Alles andere Holz einschließlich Mast, Baum, Vorstag: oben, unten, innen, außen nach gründlicher Reinigung und sehr vo rsichtigem Anschleifen mehrfach und bis zur sicht- und tastbaren Sättigung Ölen mit Owatrol; verbleibende Ölreste im Bilgenbereich und um den Schwertkasten vor dem Verklumpen abtupfen und den Schwertkasten innen alle 2 Jahre mit Öl mehrtägig tränken ( Schwert hoch, Schwertkasten nach unten mit Leiste plus Filz oder Fugenmaterial abdichten, darunter Auffangbehälter, Öl nach Ablassen filtern und weiter verwenden). Vor Saisonbeginn nasse Tücher für 1 bis 2 Wochen und im Hafen für 1 oder 2 Tage die Schlinge – aber nur für das Boot. Bisher sind wir Öler, so die Bestätigung vieler anderer, mit dem Ergebnis unserer Holzpflege zufrieden; sie ist unproblematisch und geht auch dem handwerklichen Laien schnell von der Hand. - Die Antwort aber auf die Frage ölen oder lackieren kann nur lauten ...oder! Für Anregungen, Ratschläge oder Korrekturen im Voraus Dank allen Seglerfreunden der Holzfraktion!

 

DIETRICH LUCAS, BESELAND.